Wenn ich groß bin, werde ich Dream Interface Designer.

 
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Licht fällt zwischen den Vorhängen auf mein Bett, weiteres projiziert ein Quadrat an die Wand, ich höre Stimmen. Wie spät ist es? Das Zimmer sieht verbraucht und runtergekommen aus, ich muss an den Fuchsbau von Ron Weasley aus Harry Potter denken. Als ich die Tür öffne, sehe ich meine ehemaligen Mitbewohner auf einer Couch sitzen, sie trinken Bier und lachen. Warum sind sie in meiner Wohnung? Das ihrige Zimmer sieht noch runtergekommener aus als meines; wie eine Waldhütte, die kaum noch bewohnt wird. Selbst die Wände sind aus Holz, Licht drängt nur schwach hinein, der Wald schluckt es.

Ich frage wie spät es sei. 10:51 Uhr. Ich erschrecke und bekomme Panik. Um 8 Uhr wollte ich eigentlich meinen Flieger nehmen, das kann ich nun vergessen. Traurigkeit und Beklemmungen kommen in mir auf, der Trip hätte mir gutes Geld eingebracht, was ich gebrauchen kann, der Monat ist fast zu Ende… Ich erschrecke abermals und reiße die Augen auf. Draußen ist es noch dunkel, das Zimmer kaum zu erkennen, nur die Lampen des Routers leuchten friedvoll, alles gut, ich würde den Zug nicht verpassen, der Trip würde stattfinden, das Geld wäre mir sicher. 

Warum träume ich, was ich träume? Wollte ich den Trip verpassen und lieber Bier im Wald mit den Jungs trinken? Eine schlechte Idee war das nicht und würde mir sicher guttun, so könnte ich mich erholen. Der Traum als Ort der Freude, als Ankündigung, was wir nicht bekamen, aber vielleicht dringend bräuchten. Wie würden wir in der Zukunft träumen? Im Traum könnten wir vieles entdecken, lernen und vielleicht sogar erledigen. War der Traum vielleicht die effizientere Realität? Ich stelle mir vor, wie mir Amazon Alexa während einer Schlafphase hypnotische Mantren ins Ohr säuselt. Mantren, die mich glücklich, die mir Mut machten, die mir sagen, was der Tag bringen würde oder einfach gegen meine Ängste kämpfen, sodass ich sie eines Tages im Griff haben könnte. Im Yoga oder beim Beten sind Mantren, also das ständige Wiederholen von positiven Sätzen, üblicher Bestandteil. Vielleicht nehme ich aber auch eine Traum-Verstärker-Pille, so ähnlich wie es in der Serie Maniac auf Netflix zu sehen ist. “Realität ist heilbar”.

Dream Hacking: Das Abspielen von Filmen auf der inneren Leinwand zur Steigerung des Wohlbefindens. Bevor ich zu Bett gehe, würde ich meiner AI sagen, was ich bearbeitet haben will und wie mein Gehirn stimuliert werden soll. Buntes Confetti, viel Musik und Alkohol, sodass ich am Abend vielleicht weniger trinken würde, das will ich heute Nacht sehen. Kann das bitte jemand erfinden oder muss ich das selber machen? Wenn ich groß bin, dann werde ich Dream Interface Designer, da bin ich mir ganz sicher. Der Wecker klingelt gerade ein zweites Mal, also stehe ich auf und verschwinde ins Bad, um mich für den Trip fertig zu machen. Der Zug wird nicht auf mich warten. 

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Felix Wieduwilt