No Future is the best Future. 

Die Kinder sind flügge geworden. Mama und Papa stehen auf dem Schulhof an Tischen und verkaufen den Kleinkind- und Babykram vergangener Jahre für nur wenige Euro. Ein paar Kinder machen mit, lernen praxisnah wirtschaften, führen Listen mit den Einnahmen, verhandeln Preise mit Erwachsenen, rufen wie Marktschreier „alles nur einen Euro“, andere Kinder produzieren Popcorn und laufen zwischen Tischen herum, um es feil zu bieten. Ein Mikrokosmos der Wiederverwertung für werdende Eltern, hier kann man hunderte Euro sparen, Schule des Lebens, des Geldes für Kinder. Auch das Wetter ist auf unserer Seite, frühsommerlich strahlt die Sonne auf uns nieder, die bunten Blätter verwirren meinen Geist, die Saisonen überlagern sich wie ein Filter auf Instagram. Herbst mit Frühsommerfilter. Oder, technischer gesprochen: Wetter exponentiell, weil heutzutage einfach alles #exponentiell ist. Das Internet lässt alles viral gehen, Mobilität, Produktion, Energieverbrauch, die Umwelt wird exponentiell um-gestaltet, das Wetter badet es aus, wir freuen uns (noch). 

Und wer gestaltet diese Umwelt um? Das Geld. Jeglicher Gedanke, der versucht, sich die Zukunft vorzustellen, hat als Ausgangslage das Geld. Die Saat dazu wird vielleicht jetzt auf dem Kinderflohmarkt gelegt, wo Kinder einen bewussten Umgang damit erlernen können, in zehn Jahren bezahlen sie eventuell in Bitcoins, Skycoins oder Ethereum, der Kern wird sich nicht ändern. Auch ich, der Kindersachen kauft, achtet aufs Geld, will so wenig wie möglich zahlen. Meine, Deine, Eure Zukunft hängt also vom Geld ab, soweit ist das nicht neu, aber wohl ehrlicher, als in Workshops zu versuchen, krampfhaft positive Zukünfte zu gestalten. Meine Idee daher: No Future is the best Future. Lassen wir sie doch mal los, denken nicht an morgen, gestalten sie nicht, sondern leben einfach nur im Hier und Jetzt. Uff, wieder dieser Eso-Scheiß der Yogis. Investitionen, Zinsen, Jahresziele, Bedarfsanalyse, Flottenverbrauch, faire Produktion, Frühbucherrabatte, ach was weiß ich, was es alles gibt, alles Vehikel um in Zukunft rentabel zu bleiben oder die Umwelt nicht zu versauen, denn das wissen mittlerweile (fast) alle, ist recht dumm. Aber im Kern ist das doch das Problem des Kapitalismus im Endstadium. Produktionssteigerung ja, aber bitte mit moralischem Dämpfer, mit gutem Gewissen und weißer Weste. 

Auch wenn die Kinder auf dem Flohmarkt bewusst mit Geld umgehen, auch sie werden bald in Zukünften und Möglichkeiten denken, Abläufe effizienter gestalten, Lösungen für Probleme finden, die Welt retten wollen. Doch die beste Zukunft wird immer noch jene sein, die wir nicht gestalten wollen, weil gestalten immer heißt: Mehr Wachstum, mehr Geld, mehr Profite. Auch wenn es vordergründig um gute und nachhaltige Lösungen geht, geht es um Lösungen, die sich verkaufen.  Können wir gute, schöne Lösungen entwickeln, die sich nicht verkaufen? Wer die Zukunft loslässt, will nichts gestalten, weil er nichts gestalten kann, alles ist bereits. Ist das nicht eigentlich wahnsinnig befreiend? „Uncertainty is a state of mind which allows us to be free. “ Wäre da nicht der Drang etwas gestalten zu wollen…

Auf dem Flohmarkt will niemand gestalten, nur tauschen, was sie haben, nehmen und geben was gerade vorhanden ist. Die Idee der Circularity kann hier besonders gut angewendet werden - was wir nicht mehr benötigen, tauschen oder verkaufen wir. Ich möchte die Circularity erweitern und nur das tauschen, was gerade verfügbar ist, Tag für Tag schaffe ich so mehr Leichtigkeit, will nichts, was mich belastet, will nicht danach suchen, weil ich es gerade nicht bekomme. Wie frei wäre ich? 

Und nun wieder einschlafen oder aufwachen, je nach dem wo ihr euch gerade befindet. #Blue or #Red?


Felix Wieduwilt